Das Jahr begann diesmal anders für Albion und seine Familie. Noch immer verfolgen ihn die beängstigenden Bilder. Albion, ein 9 jähriger, aufgeweckter Junge, ist der Älteste Sohn der Familie. Seine leibliche Mutter hatte ihn als Baby verlassen, so kam es, dass er die ersten Jahre bei seinen Grosseltern aufwuchs.

Als sein Vater Gerti schliesslich seine heutige Frau Olta heiratete, holten sie den Jungen nach Hause und er bekam bald noch zwei Geschwister dazu. Seine Stiefmutter liebt und behandelt ihn genauso wie ihre eigenen Kinder.

Die Familie lebt unter schwierigen Bedingungen, bis zu Beginn des Jahres in einer kleinen Zweizimmerwohnung im Erdgeschoss, im Dorf Pezë e Vogël, in der Nähe von Tirana. SFI hat die Familie schon vor einigen Jahren ins Hilfsprogramm aufgenommen, um sie mit den Kindern zu unterstützen. Denn die wirtschaftliche Notlage zwingt auch auch Olta dazu, arbeiten zugehen, um für die Kinder wenigstens die wichtigste Lebensgrundlage schaffen zu können. Sie arbeitet als Geschirrspülerin in einem örtlichen Restaurant, während Albions Vater in einer Warenfabrik in der Hauptstadt arbeitet.

Albion, sein 6 Jähriger Bruder Arni und seine 4 Jährige Schwester Ajla sind deswegen oft alleine zuhause. Morgens geht Albion zur Schule und seine jüngeren Geschwister werden betreut. Nachmittags und an den freien Tagen, wenn sie nicht im Rreze Dielli Programm sind, kümmert sich Albion allein um seine kleinen Geschwister, bis die Eltern von der Arbeit nach Hause kommen.

Am 2. Januar, zwei Tage nach dem fröhlichen Silvesterfest, mussten die Eltern wieder regulär zur Arbeit und wie jeden freien Tag passte Albion auf seine Geschwister auf. Doch dieser Tag war nicht wie die anderen. Hätte der Junge nicht so schnell und geschickt reagiert, hätte dieser Tag in einer Tragödie enden können. Denn die Wohnung wurde von Flammen erfasst und das Haus brannte vollständig nieder. Wie sich später herausstellte, wurde das Feuer durch einen elektrischen Funken im Stromverteilungskasten ausgelöst.

Als wir die obdachlose Familie u.a. mit Nahrungsmitteln, Kleidung, Decken und anlässlich der Feiertage auch Geschenken für die Kinder erreichten, rannte uns Albion sofort in die Arme und begann, während ihm die Tränen übers Gesicht kullerten, zu erzählen:

„Ich spielte mit meiner kleinen Schwester im Zimmer, als plötzlich Anri, der im Wohnzimmer fern geschaut hatte, erschreckt ins Zimmer stürmte und sagte, dass das Sofa auf dem er eben gesessen hatte, brenne. Als ich die Flammen sah, war ich entsetzt und hatte Angst, dass wir es nicht mehr durch das Wohnzimmer nach draussen schaffen. Die Wohnung füllte sich immer mehr mit Rauch, also musste ich schnell eine Lösung finden. Ich schob Anri und Anila schnell zurück ins Zimmer, packte die einzigen zwei Stühle, die wir hatten und schloss schnell die Zimmertüre. Ich platzierte den einen Stuhl am Fenster und schaffte es irgendwie, den anderen Stuhl durch das Fenster zu schieben und ihn draussen so zu platzieren, dass wir rausklettern konnten. Ich half meinen Geschwistern beim rausklettern, dann rannten wir schnell zum Nachbarn, ich war so erleichtert, dass wir es geschafft haben. Doch bis die Feuerwehr schliesslich kam, war das ganze Haus niedergebrannt“, erzählt er schluchzend zu Ende.

Olta, die sich schon immer schlecht gefühlt hatte, die Kinder allein zuhause lassen zu müssen, sagte mit Tränen in den Augen, dass sie es nicht mehr schaffen könne zur Arbeit zu gehen, weil ihre Angst viel zu gross ist, die Kinder erneut allein zu lassen. Doch es geht nicht, wie um Himmels Willen sollten sie durch den Winter kommen? Nun hatten sie gar nichts mehr.
Die Familie konnte in einem Wohnwagen untergebracht werden. Wir werden ihnen weiter zur Seite stehen. Unter Tränen dankten Gerti und Olta für die herzliche Unterstützung, für die Kleidung, die Nahrungsmittel und die warmen Decken und das Programm für die Kinder.
Das rührendste Erlebnis waren die leuchtenden Augen der Kinder, als sie ihre Geschenke auspackten. Ajla fand in ihrem Paket u.a. ihre Lieblings-Haribos, die sie lange nicht mehr genießen konnte. Anri freute sich sehr über das Auto mit Lichtern, das seine Mutter ihm dieses Jahr nicht kaufen konnte und Albion fand in seinem Paket neue Schulmaterialien.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung, Dinge von Herzen kommen an!