Ana sieht schmächtig aus, trägt zerrissene Kleidung und kaputte Schuhe, als wir sie zum ersten Mal, draussen auf dem Schulhof, sehen. Wir beobachten, wie das Mädchen von anderen Kindern wegen ihrem äusseren Erscheinungsbild gehänselt und geplagt wird und sehen, wie sie darunter leidet.
Wir wollten mehr über Ana in Erfahrung bringen. Sie ist 8 Jahre und besucht die zweite Schulklasse, ihre Schwester Dea ist 11 Jahre und in der 5. Klasse. Von Ana’s Lehrerin erfuhren wir, dass die Familie mit schweren wirtschaftlichen Problemen und mit Krankheit zu kämpfen hat. Die Familie lebt im Dorf Menik, das zur ehemalige Gemeinde Ndrog gehört. Wir boten Ana ein Gespräch an, doch wirkte verschlossen und wollte erst mit niemandem reden.
Nach und nach konnte unsere Psychologin das Vertrauen von Ana und Dea gewinnen und so erfuhren wir ihre Geschichte:
Armut begleitet die beiden Mädchen seit Beginn ihrer Kindheit. Die Familie hatte schon immer unter den wirtschaftlichen Schwierigkeiten gelitten, doch den härtesten Schock erlitten sie durch das Erdbeben vom 26. November 2019, bei dem das Fundament ihres Zuhauses so stark beschädigt wurde, dass das Haus unbewohnbar blieb und sich die Familie auf der Strasse wiederfand. Der Vater der beiden Mädchen war seit einiger Zeit schwer erkrankt und daher nicht mehr in der Lage, zu arbeiten. Ihre Mutter hatte eine Arbeit gefunden und versuchte, die Familie irgendwie durchzubringen und ihren Mann und die Grosseltern so gut es ging zu pflegen.

Wenn ich gross bin, werde ich Anwältin. Dann kann ich den Menschen helfen, die es nicht gut haben.
Doch nur ein gutes Jahr nach dem Verlust ihres Zuhauses kam der nächste Schock, durch den Ausbruch der Pandemie und den damit verbundenen wirtschaftlichen Einschränkungen, verlor die Mutter ihre Arbeit und die Familie damit ihr letztes spärliches Einkommen.
Inzwischen lebt die Familie in einem bereit gestellten Container. Immerhin hat die Familie wieder ein Dach über dem Kopf, doch reicht die winzige Rente nicht einmal für Essen aus. Das gefährdet auch den Schulbesuch der beiden Mädchen, wird doch jede Hilfe benötigt um für genug Lebensmittel und Medikamente zu sorgen.

Ana und Dea erzählten uns auch von den Schwierigkeiten, denen sie jeden Tag durch das Mobbing gleichaltriger Kinder ausgesetzt waren und von den Sorgen um den Gesundheitszustand ihres Vaters.
Seither besuchen wir die Familie alle zwei Wochen und versorgen sie mit Lebensmitteln, Kleidung und Schulmaterialien. Wir schauen nach dem kranken Vater und bieten Unterstützung durch Gespräche und schulische Hilfe an.
Jedes Mal wenn uns die Mädchen die Türe öffnen, leuchten ihre Augen. Dea erzählt uns: „Nicht nur meine Augen leuchten wenn ihr an die Türe klopft, sondern auch die von Mama, Oma, Opa und meinem kranken Papa.
Beide Mädchen sind sehr fleissige Schülerinnen, sie haben Hoffnung geschöpft und blicken mit Optimismus in die Zukunft. Dea träumt davon, Ärztin zu werden, wenn sie Erwachsen ist. Sie hilft gerne in unserem medizinischen Projekt mit, nicht nur um ihren Vater zu heilen, auch weil es ihr grosse Freude bereitet anderen Menschen zu helfen und auch weil sie damit Danke sagen möchte für die grosse Hilfe, die ihrer Familie zuteil wird. Ana hingegen möchte Anwältin werden, weil sie die Ungerechtigkeit sieht, sie sagt dazu: „Wenn ich gross bin, werde ich Anwältin. Dann kann ich den Menschen helfen, die es nicht gut haben“.
Ich möchte Ärztin werden und den Menschen dabei helfen, wieder gesund zu werden.

Mit Ihrer Hilfe werden wir diese beiden Mädchen mit ihren grossen Träumen weiter materiell, schulisch und psychologisch unterstützen, damit sie eine Chance haben, dass ihre Träume in Erfüllung gehen, sie den Weg aus der Armut finden und später andere Menschen ebenfalls inspirieren können.
Dank Ihrem Mitwirken ist es uns möglich, diese beiden Mädchen und viele andere von starker Armut betroffener Kinder, zu begleiten und ihnen bestmögliche Unterstützung zu geben um ihnen eine neue Perspektive sichtbar zu machen.
Ihr SFI-Team
